Mittwoch, 30.09.2020 08:35 Uhr

Der arbeitslose Werkself-Cowboy

Verantwortlicher Autor: Von Bayer-Kreuz bis Johnny Cash Leverkusen, 15.07.2020, 13:09 Uhr
Presse-Ressort von: Arne Kahlen Bericht 5912x gelesen
Viel Zeit zum Nichtstun
Viel Zeit zum Nichtstun   Bild: Arne Kahlen-Begoll

Leverkusen [ENA] Konzerte oder ins Stadion? Es ist gar nicht lange her, da war die Welt noch eine andere. Corona hat einiges durcheinander gebracht. Nicht zuletzt im Profisport und in der Kultur. Wie eng diese beiden Sparten zusammenhängen können, lässt sich am Beispiel von Countrysänger Dirk Maverick sehen.

Die Sonne brennt. Der Duft von frisch geschnittenem Rasen weht durch die Luft. Eine Stimme wie die von Johnny Cash singt einen Countrysong. Irgendwo auf einer kleinen Ranch in Leverkusen baumeln Füße im Pool. Es ist Samstag Nachmittag. Eigentlich wäre der Cowboy jetzt im Stadion und tausende Fans würden seinen Song mitsingen. Seit rund 30 Jahren ist der Leverkusener auf den Bühnen im In- und Ausland unterwegs. Vom kleinen Club bis zum Olympiastadion. Ob er auf Messen und Firmenevents spielt, oder auf Festivals vom Nürburgring bis nach Sri Lanka.

Dirk Maverick, mit bürgerlichem Namen Gläßner, ist mit Maverick‘s Country Music Show ein gern gesehener Act auf diversen Events. Was viele nicht wissen: er mischt auch im Profifußball mit. Bei jedem Heimspiel steht er auf dem Elfmeter-Punkt in der BayArena und spielt die Hymne von Bayer 04 Leverkusen. Doch seit ein paar Monaten kommt aufgrund der Corona-Situation kein Fan ins Stadion. Auch der Werkself-Cowboy kommt nicht in die Arena. Seine Auftritte vor Spielbeginn, die einzige Country-Fussballhymne, sind dank Covid-19 bis auf weiteres abgesagt.

An Terminen mangelt es eigentlich nicht. Der Kalender des kernigen Westmanns ist mit rund 100 Auftritten im Jahr eigentlich gut gefüllt. Eigentlich. Denn auch alle anderen Veranstaltungen wurden bis auf weiteres vorerst bis Ende August abgesagt. Der Musiker und seine Band sind quasi auf behördliche Anordnung arbeitslos. Da bleibt also viel Zeit um Cowboy zu sein. Aber was nützt es dem Cowboy, wenn der Mäh-Robotter um den Pool fährt und die kleine Ranch zu klein ist um ein Pferd zu halten. Was macht ein arbeitsloser Cowboy in Zeiten, in denen er seinen Job nicht ausüben darf?

„Als das Kontaktverbot gelockert wurde, haben wir uns mit der Band erstmal im Proben-Studio getroffen und Musik gemacht. Einfach so für uns. Das ist unsere Arbeit und das fehlte einfach.“ Wäre eigentlich die perfekte Zeit um neue Songs aufzunehmen. Das letzte von mehr als 10 Alben ist schon einige Zeit her. Aber auch hier geht nichts. Die Musiker waren in den vergangenen Monaten sehr aktiv und haben die Aufnahmen für ein neues Mavericks-Album bereits abgeschlossen. Corona kam hier zu spät, wenn man das überhaupt so sagen darf. Bleibt nur vereinzelt ein Kurzauftritt in Open Air Kinos, wenn mal in die Nostalgie der Winnetou-Reihe eingetaucht wird.

Und natürlich wird jeden Samstag die Leverkusen-Hymne für die Fans gesungen. Allerdings nicht in der Arena, sondern im Livestream auf Mavericks Facebook Kanal. Derzeit sendet Dirk die Hymne sogar live aus dem Zelt von der Ostee-Insel Fehmarn. Die Fans schalten begeistert ein. So bleibt immerhin das gute Gefühl, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Und wer kann schon sagen, dass er im Zelt auftritt. Sein größter Wunsch? Gesund bleiben. Und ein Impfstoff gegen Corona muss her, damit es bald alles wie gewohnt weitergeht. Bis dahin bleibt dem Werkself-Cowboy nur Geduld und seine Johnny Cash Stimme, zu der die Rosen im Garten im Takt wiegen. Und der Cowboy mit Gitarre barfuß am Pool sitzt. Irgendwo, auf einer kleinen Ranch in Leverkusen.

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